Satire & Kunterbunt

Freud Sofa PsychologieSigmund Freud und seine Menschenexperimente

Die modernen Wissenschaften lehren uns im Grunde das, was einst die antiken Philosophen schon sagten. Damals vor etwa zweitausend Jahren. Nur eben ein bisschen anders. Es gibt nämlich in beinahe jeder Generation jemanden, der sich besonders viel Mühe gibt, das, was zum Beispiel Epikur gesagt hat, so zu formulieren, dass es praktisch wie neu klingt. Lesen Sie mehr...

Das Gewissen wird einfach überbewertet!

Wer hat's erfunden? Wieder einmal dieser Sigmund Freud! Bevor der sich nämlich damals an den Schreibtisch setzte, war die Welt noch ziemlich einfach. Mann konnte seine Probleme durch Nachdenken lösen. Mann, denn Frauen zählten damals noch nicht richtig zur Menschheit. Aber Mann war ja Gottseidank sehr rational. Bis Freud eine folgenschwere Entdeckung machte... Mehr lesen...

Wo Narzissten sinnlos walten... 

Demokratie ist eine feine Sache. Sie schützt uns zum Beispiel vor staatlicher Willkür. Allerdings ist Demokratie nur so perfekt ist wie die Menschen, die darin schalten und walten. Also gar nicht. Leider äußert nämlich auch die Dummheit in der Demokratie viel freier als in jeder anderen Staatsform. Weiter lesen...

Eine kleine Geschichte psychischer Epidemien: Ufos, Kriege und kollektiver Wahn 

Psychische Epidemien gibt es seit Menschengedenken. Zum Beispiel das Umsichgreifen haltloser Gerüchte und Prophezeiungen in Bezug auf angeblich bevorstehende Weltuntergänge. Solche Massenhysterien sind durchaus mit Infektionskrankheiten vergleichbar. Sie können ganze Volksgruppen anstecken. Lesen Sie mehr...

Die Zukunft war früher auch besser! 

Genau! Früher war nämlich alles besser! Die Hochkulturen lebten im Einklang mit der Natur. Es gab keine Atombomben, kein FCKW und keinen Plastik-Schrott. Die Mitmenschen wurden auf ganz natürliche Art und Weise ausgebeutet, nur gelegentlich ermordet und dann ausschließlich zu rituellen Zwecken. Lesen Sie mehr...

Männer und FrauenMänner & Frauen – zwischen Höhle und Herdfeuer

Früher war alles besser. Einfacher sowieso. Das ist allerdings schon ziemlich lange her. Männer gingen zur Jagd. Wenn sie wieder nach Hause kamen, saßen die Frauen bereits am Herdfeuer. Natürlich suchten sie sich den mit der fettesten Beute aus. Kräftig musste er sein, jung und knackig. Umgekehrt war es nicht viel anders... Lesen Sie mehr...

Die Handtasche einer Frau…

Die optimal befüllte Handtasche gehört zu den mobilen Endgeräten. Sie dient der Frau als Ich-Erweiterung und verkörpert Multitasking wie sie selbst. Sie Handtasche  ist Kommandozentrale, Kosmetikstudio, Picknickkorb, Büro und Notfallköfferchen. Sie dient als Devotionalien-Lager für sentimentale Erinnerungen wie Briefe, Fotos und Stofftiere. Frau muss schließlich Prioritäten setzen. Lesen Sie mehr...

Magie im Alltag. Von Friseuren, Autohändlern und Paarungsritualen

Im Grunde zaubern wir alle irgendwie. Jeden Tag ein kleines bisschen. Selbst dann, wenn wir uns nicht darüber bewusst sind. Auch dann, wenn wir uns für so überhaupt gar nicht abergläubisch halten. Das mit der Magie fängt nämlich schon beim Haareschneiden an. Weiter lesen...

Spleens, Schrullen und Marotten – sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?

Die einen zählen Stufen, die anderen essen Gummibärchen oder Smarties nach Farben sortiert, wieder andere sammeln mit Leidenschaft Plastiktüten. Praktisch jeder hat seine ganz speziellen Marotten. Meist sind es liebenswerte Gewohnheiten, mitunter aber auch Schrullen, die den Mitmenschen den letzten Nerv rauben. Lesen Sie mehr...

Pech kennt keine Fehlschläge - Aufreger im Alltag

Heute ist wieder einmal einer dieser Tage! Sie wissen schon: Einer von denen, an welchen Sie am liebsten gleich im Bett bleiben und sich die Bettdecke über beide Ohren ziehen würden. Weil Sie es irgendwo tief in Ihrem Innersten bereits ahnen: Heute geht sowieso alles schief. Und nach Murphys Gesetz geht dann ganz sicher alles schief. Lesen Sie mehr...

Wechseljahre MännerEinfach unverwechselbar: Männer in den Wechseljahren

Es ist ja weithin bekannt, dass Männer unter Auslassung des Erwachsenseins beinahe direkt von der postpubertären in die präsenile Phase hinüberwechseln. Aber irgendwo dazwischen liegt eben dieses vermaledeite Klimakterium virile. Nein, das ist nichts zu essen und auch keine neue Kampfsportart. Es handelt sich dabei vielmehr um eine ziemlich exotische Klimazone, der Männer in den besten Jahren auf tückische Weise anheimfallen.

Tragisch oder komisch?

Die allermeisten Exemplare wollen zwar auf gar keinen Fall wahr haben, dass es so etwas geben könnte und falls doch, dann haben es nur die anderen, aber es ist nun einmal ein wissenschaftliches Faktum: Auch Männer kommen in die Wechseljahre. Frauen merken das spätestens daran, wenn sich ihr Partner merkwürdige neue Hobbies zulegt wie zum Beispiel Motorrad fahren. Er quetscht sein inzwischen durchaus respektables Bäuchlein in die viel zu eng gewordenen Lederhosen und jagt wie Easy Rider über den Highway. Ein wenig ungelenk und reaktionsschwach geworden stürzt er dabei auch schon mal und schildert von Stund an bei jeder sich bietenden Gelegenheit minutiös den Hergang seines Beinahe-Todes, denn schließlich ist auch seine Chance, einen wirklich tragischen Tod zu sterben, nunmehr befristet.

Senilität ist heilbar!

Hypochondrie ist übrigens kein eindeutiges Indiz, denn würde man nach der Anzahl der Arztbesuche und eingebildeten Krankheiten schließen, wären die meisten Männer ja schon mit 30 in der Andropause. Allerdings nimmt die Neigung, akute Zeichen von Senilität in krankheitsbedingte Symptome umzuinterpretieren, mit den Jahren ganz erheblich zu und das aus gutem Grund: Krankheiten sind heilbar und nicht so irreversibel - Haare kann Mann färben, Fett absaugen lassen. Da glaubt er auch gerne an anatomische Wunder, zum Beispiel daran, dass Alkohol vor Vergreisung bewahrt.

Traum seiner schlaflosen Nächte

Der natürliche Verfall ist in seinem Fall sowieso ein ungewöhnliches Kuriosum – wider die Natur sozusagen. Er ist altersfrei. Warum fallen nur alle auf diese alberne Zahl herein? Deswegen hält er sein eigentliches Alter ab 40 für geheime Verschlusssache – Mann lässt sich lieber schätzen. Schon weil die meisten Mitmenschen aus purer Höflichkeit mindestens fünf Jahre drunter bleiben. Insgeheim hofft er dabei auf krasse Irrtümer, insbesondere wenn er sich von sehr viel jüngeren Frauen schätzen lässt, und ist dann tagelang gekränkt, wenn diese richtig liegen. Leider liegen sie selten so richtig, wie er es sich in seinen immer kühner werdenden Träumen ausmalt, nämlich neben ihm. Schlaflose Nächte hat er trotzdem.

Subtile Verjüngungsmethoden

Witze über Männer in den Wechseljahren konnte er noch nie leiden, aber nun fallen sie ihm auch schon selber ein, vor allem wenn er sich morgens im Spiegel betrachtet. Und er umgibt sich nicht gerne mit Menschen seines Alters, weil die ihn so viel älter aussehen lassen, als er sich fühlt. Die subtilen Verjüngungsmethoden kennt er alle: Er badet neuerdings in flüssigem Amber, trägt Flip-Flops und megacoole Baseball-Kappen und scheut auch ansonsten getreu der Devise „älter werden ist kein Job für Feiglinge" keine Peinlichkeit. Der Humorspiegel seiner Frau sollte jedenfalls nie unter seinem Hormonspiegel liegen. Sehen Sie es doch mal so: Das alles macht ihn einfach unverwechselbar.

PolitikalsBerufPolitik für Anfänger - wie man was wird

Früher erwarb man Berufe sozusagen genetisch. Der Sohn ererbte das elterliche Gewerbe oder, wenn der Vater Henker war, wurde der Sohn eben auch Henker. Deswegen ist es manchmal besser, wenn einem die Eltern nichts vererben. Heute gibt es praktisch nur eine einzige Chance, in dieser Gesellschaft aus dem nichts reich zu werden: Die politische Karriere!

Das Bürgermeister-Gen

Politiker ist auf jeden Fall ein kreativer und abwechslungsreicher Beruf für Menschen, die kein Risiko scheuen. Nehmen Sie zum Beispiel die Europa-Politik: Da brauchen Sie keine Vorkenntnisse. Sie tun einfach experimentell mal was in die Runde, weil die bewährten Sachen ja sowieso nicht mehr funktionieren und auch keiner weiß, wie es klappen könnte.

Sie sind nicht ganz auf den Mund gefallen und gehen gerne in die Wirtschaft?

Dann haben Sie absolut das Zeug zum Politiker ‑ das Bürgermeister-Gen. Da kriegen Sie eine Startbahn direkt ins Wohnzimmer und in der Wirtschaft alles für umsonst. Noch besser geht das in der Bundespolitik. Dort dauert die Legislaturperiode nur vier Jahre und manchmal sogar kürzer. Da haben Sie gar nicht mehr groß Zeit, sich um Politik zu kümmern. Aber das machen ja sowieso die Referenten. Die schreiben Ihnen schöne Reden und Konzepte. Das müssen Sie dann nur noch runter lesen. Ob Sie das inhaltlich verstehen oder nicht, ist doch egal. Ist doch ohnehin nur so ein Ritual – wie die Wahlen zum Beispiel:

Sie überlegen ein paar Wochen, welchen von den Männern auf den hübschen bunten Bildchen, die überall in der Stadt hängen, Sie nehmen wollen. Dann endlich, immer sonntags, ziehen Sie sich schön an und gehen feierlich zur Urne. Dort gibt es zwei Hüter der Urne, die aufpassen, dass Sie auch wirklich der sind, der das Kreuz machen darf, und einen Zeremonienmeister, der Ihnen freundlich erklärt, wo sie ihr Kreuz machen müssen und Ihnen nötigenfalls auch schon mal die Hand führt. Dann gehen Sie nach Hause und schalten den Fernseher ein. Da stehen die von den Bildchen dann alle rum und warten. Wenn Sie die vielen roten Köpfe sehen, wissen Sie, dass Sie als Wähler eine enorme Macht haben.

Das ist ein bisschen so wie im antiken Griechenland. Da standen auch überall Statuen rum und Sie konnten sich aussuchen, welcher Gott für Sie zuständig ist. Wenn der nichts taugte, kam die Statue auf den Sperrmüll und man suchte sich einfach eine neue raus.

Man muss den Göttern Opfer bringen, damit Sie einem geneigt bleiben

Früher gingen die Leute dann einfach dorthin und legten ihm was ins Schälchen. In manchen Kulturkreisen ist das heute noch so, nur bei uns ist das ein wenig verpönt. Doch das sitzt so hartnäckig in den Genen, dass die Leute es dann eben heimlich machen. Und wenn es raus kommt, tun alle ganz entrüstet. 

Qualifiziertes Personal händeringend gesucht!

Wenn Sie dann gewählt wurden, müssen Sie zusehen, dass Sie in der kurzen Zeit in so viele Aufsichtsräte wie möglich rein kommen. Wenn Sie es nach vier Jahren auf fünf erkleckliche Pöstchen gebracht haben, liegen Sie verdammt gut im Rennen. Das ist aber ein ganz schöner Stress, bis Sie mal soweit sind. Da brauchen Sie sonst nichts mehr.

Deswegen hört man von den meisten Politikern auch rein gar nichts. Und ein Politiker, der in fünf Aufsichtsräten sitzt, ist doch prima qualifiziert für die Wirtschaft! Das lassen sich die Unternehmen eine ganze Stange Geld kosten, so qualifiziertes Personal.

Warum versuchen Sie es nicht einfach mal selber?

Was die können, können Sie schon lange! Ein paar Posten werden ja demnächst wieder frei. Und die suchen wirklich händeringend gute Leute...

Narziss und Co-NarzissCo-Narziss - Macher oder Masochist?

Vollkommene Verschmelzung

Der Co-Narziss ist der Bewirker im Verborgenen, der Puppenspieler, der die Fäden zieht, der große Manipulator hinter den Kulissen, der den Narziss wie einen Deus-ex-machina glanzvoll auf der Bühne erscheinen lässt.

Das wäre er zumindest gerne. Denn er leidet am Heile-Welt-Syndrom und verklärt daher seinen Narzissten zum Idol. Dieser besitzt alles, was ihm selbst fehlt. Selbst seine allerschlimmsten Fehler (von denen er nach eigener Einschätzung nur allzu viele hat) werden durch den Narzissten zu rühmlichen Vorzügen veredelt. Doch seine kleine Welt wird erst perfekt, wenn er mit seinem Narzissten zu einer vollkommenen Einheit verschmolzen ist. Was im wirklichen Leben allerdings eher selten gelingt.

Die Enttäuschung, die dem Scheitern auf dem Fuße folgt, ist daher ungefähr genauso verheerend wie seine Illusionen bezüglich der ungeheuren Möglichkeiten, die sich aus der Verschmelzung ergeben könnten.

Was aber bewegt nun eigentlich den Co-Narziss? Ist er gar ein Masochist? Warum um alles in der Welt lässt er sich sonst auf einen Narzissten ein? Nun, Sie müssen sich das so vorstellen:

Der Narziss ist die Sonne, um die der Co-Narziss kreist. Alles, was der Co seiner Ikone an Gutem widerfahren lässt, kommt ihm wie durch Zauberhand auch selbst zu Gute. Nehmen Sie zum Beispiel die Anhängsel unserer Ikonen aus der Welt der Promis: Vorher ein Nichts. Währenddessen ein Sternchen. Nachher mit etwas Glück ein Star. Häufig allerdings auch nur
ein alterndes Ex-Sternchen.

Nichtexistenz aus Liebe

In der Beziehung mit einem Narzissten begibt sich der Co-Narziss mehr oder weniger schmollend in die untergeordnete Position. Jedenfalls vorläufig. In seltenen Fällen entschließt sich der Co-Narziss zu einem Dasein in Nichtexistenz aus Liebe. Viel häufiger gefällt er sich jedoch in der Rolle des trotzigen Rebellen, der eigentlich immer unterschätzt wird, und tut deswegen gegenüber Dritten auch gerne recht gekränkt und benachteiligt.

Narzisstische BeziehungDer Narziss und das Heile-Welt-Syndrom

Der Narziss muss gefüttert werden. Er braucht seine Ich-Erweiterungen wie die Luft zum Atmen. Im Gegenzug sorgt er dafür, dass es seinem Umfeld gut geht. Schon, damit es ihm selbst gut geht. In diesem Sinne ist er durchaus zu überschwänglicher Fürsorge fähig. Umso mehr, je mehr die Sorge, die er anderen angedeihen lässt, auch seinem eigenen Wohlergehen dient. Selbst nach seinem Tode möchte er noch gut dastehen. Glücklicherweise geht der Trend dabei heute eher weg von Pyramiden und hin zu Hinterlassenschaften, die für die Hinterbliebenen von unmittelbarem, geldwertem Nutzen sind.

Der Narziss und sein Co-Narziss passen schon deswegen so wunderbar zusammen, weil sie sich (beinahe) perfekt ergänzen: der Narziss hungert nach Zuwendung, Anerkennung, Aufmerksamkeit, bedingungsloser Unterordnung und beständiger Bestätigung seines Selbstwerts durch die jeweils gegnerische Partei. Das alles natürlich möglichst harmonisch. Ansonsten fühlt er sich elend, klein und minderwertig. Und wenn der Narziss leidet, ist garantiert der Co daran Schuld.

Auch der Co-Narziss hat es gerne harmonisch. Er hasst Konflikte. Deswegen ordnet er sich erst einmal bedingungslos unter. Er setzt alles daran, dass es seinem Narzissten gut geht. Auch wenn das bedeutet, dass er sich den Bedürfnissen des Narzissten vollkommen ausliefert und auf seine eigenen vollkommen verzichtet.

Schwierig wird es nur, weil es mit der bedingungslosen Unterordnung dann meistens doch nicht so ganz klappt. Weil nämlich der Co-Narziss insgeheim auch nach Zuwendung, Anerkennung, Aufmerksamkeit und beständiger Bestätigung seines Selbstwerts dürstet. Andernfalls fühlt er sich elend, klein und minderwertig. Und wenn der Co-Narziss leidet, ist garantiert der Narziss daran Schuld. Deswegen funktioniert es mit der Harmonie auf Dauer meistens nicht wirklich gut. 

android cyborgDer Narziss und sein Partner

Die jeweiligen Partner an der Seite des Narzissten erscheinen oft eigentümlich beliebig, wahllos und irgendwie austauschbar. Hauptsache aber vorzeigbar. Das liegt daran, dass der Narziss sich sowieso am liebsten selbst heiraten würde, wenn er könnte. Was auch gar nicht so selten vorkommt. Einen Partner braucht er eigentlich nur, weil er gewisse Bedürfnisse hat, zu deren Befriedigung es einer Ich-Erweiterung bedarf, unter anderem weil

  • es gute PR einbringt und
  • er sich gerne selbst reproduzieren möchte.

Die Notwendigkeit der Reproduktion

Nachwuchs ist für den Narzissten deswegen so wichtig, weil es die Zahl seiner potenziellen Ich-Erweiterungen praktisch ohne eigenes Zutun erhöht. Leider ist die Bio-Technologie hier noch nicht fortgeschritten genug, sonst würde sich der Narziss nämlich klonen lassen, um seine Art zu erhalten. Schon deswegen, weil sich da keine minderwertigen Gene einschleichen können.

Noch perfekter wäre allerdings ein Cyborg. Der fasziniert den Narzissten, weil er einfach absolut perfekt ist. Im Grunde fast noch besser als er selbst. Wenn man sich nur vom Fleisch lossagen könnte! Dann wäre man nämlich wirklich autonom. Autonom und unverwundbar. Weil die Verletzlichkeit neutralisiert wäre. So ein Cyborg ist vollkommen auf seine Funktionen reduziert. Alles an ihm kann repariert werden. Ein Cyborg ist stark und effizient. Um so viel leistungsfähiger als menschliche Wesen. In jeder Hinsicht ökonomisch optimiert und somit das absolut maximal erstrebenswerte Ideal des Narzissten.

Das Bedürfnis, sich biologisch zu reproduzieren, ist ja im Grunde heute überholt. Es stammt eben noch aus jenen uralten Zeiten, als das Leben kurz und tödlich war. Deswegen benötigte man damals mehrere backups von sich selbst, um sich bei jedem Absturz wieder neu im wirklichen Leben zu installieren.

Olimpia Menschlicher AutomatDer ideale Co-Narziss

Der Co-Narziss ist ja in der Regel weitaus umgänglicher und entgegenkommender als der Narziss. Aber ein Narziss ist ein Narziss ist ein Narziss.

Nur weil jemand von Natur aus zur Unterwerfung neigt, gerne leidet und sich klaglos in widrige Umstände fügt, macht ihn das nicht automatisch zu einem besseren Menschen. Er tut es ja vielleicht nur, weil es ihn einfacher und bequemer erscheint (zumindest auf den ersten Blick). Das Gute kommt, genau wie das Böse, in Reinform eher selten vor. Außer vielleicht bei Psychopathen und Engeln. Ansonsten gilt hier wie eigentlich fast immer im wirklichen Leben die alte Regel: Die Dosis mach das Gift.

Der ideale Co für den Narzissten ergänzt ihn perfekt und repräsentiert jeweils das, was er am Dringendsten benötigt. Seine tragende Rolle ist es, als schmuckes Beiwerk neben dem Narziss zu glänzen, ihm den Popo hinterher zu tragen und sich durch Servilität bis hin zur Nichtexistenz hervorzutun. Daran scheitern die meisten Promi-Ehen. Wenn nämlich das Beiwerk plötzlich selbst ins Rampenlicht drängt und deswegen seine Pflichten gegenüber dem Narziss vernachlässigt.

Olimpia - die perfekte Co-Narzisstin

Die perfekte Lösung wäre ohnehin ein individuell programmierbarer Android. So wie in der schönen Geschichte von E.T.A. Hoffmann. Sie spielt zu jener Zeit, als Frauen noch systematisch zu Co-Narzissten herangezüchtet wurden (das war bis ungefähr Mitte des 20. Jh. der Fall):

Nathanael besucht die schöne Olimpia und plaudert mit ihr. Er weiß es sehr zu schätzen, dass sie so gut zuhören kann. Er redet. Sie nickt immer wieder sehr freundlich und ermunternd. Er fühlt sich endlich verstanden und geliebt. Nathanael hält um ihre Hand an. Olimpias Papa ist sehr angetan von der Verbindung. Aber dann, beim Tanzen, geht der Automat kaputt. Nathanael verfällt daraufhin dem Wahnsinn. Die Anwesenden bedauern den Ärmsten sehr. Sie fordern, man müsse den Bau solcher Puppen verbieten. Weil sie so lebensecht sei, dass man das nicht merkt. Das ist doch Betrug! Oder?

Affen-SelfieNarzisstische Beziehungsformen

Die Monogamie ist es nicht. Das liegt daran, dass die Monogamie erst in einer ziemlich späten Phase der Evolution dran war und sich bis heute eigentlich nur bei Männchen mit niedrigem Sozialstatus wirklich durchgesetzt hat. Aber eben noch nicht bei den Alpha-Männchen. Oder solchen, die sich dafür halten.

Sollte der Narziss dennoch ausnahmsweise über einen längeren Zeitraum hinweg jemandem die Treue halten, dann nur mangels alternativer Gelegenheiten. Oder aufgrund der Androhung gravierender Sanktionen. Vor allem solcher, die seinem Image schaden könnten.

Apropos Sozialstatus: Der Narziss sucht sich gerne Partner, die ihm Hinblick auf Intelligenz, Bildung und soziale Herkunft unterlegen sind. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Sie sind besser zu kontrollieren und leichter zu manipulieren. Das hat Vorteile. Für beide.

Serielle Symbiose

Irgendwann ist normalerweise einfach Schluss mit der fortwährenden Überhöhung des Partners aus blinder Verliebtheit. Schuld daran ist natürlich der Co-Narziss. Er dreht den Hahn zu. Möglicherweise deswegen, weil ihm endlich dämmert, dass der Fluss immer nur bergauf fließt. Deswegen ist das Beziehungs-Modell, das beim Narzissten wohl am häufigsten anzutreffen ist, die serielle Monogamie. Im fortgeschrittenen Lebensalter nimmt jedoch die Wahrscheinlichkeit einer seriellen Bigamie zu.

Der Narziss hat, zumindest bis zu einem bestimmten Lebensabschnitt, meist keine wirklich lange dauernden, sondern eher mehrere kürzere, aufeinanderfolgende, aber monogame Beziehungen, nahtlos oder mit Single-Phasen dazwischen. Und danach meist einen festen Partner. Und, wenn er attraktiv und stressresistent genug ist, mehrere aufeinanderfolgende monogame Beziehungen daneben.

Wie auch immer. Jede Beziehung ist ohnehin nur ein verzweifelter Versuch, die Kollateralschäden seiner missglückten Kindheit zu reparieren und die anderen Teilnehmer am wirklichen Leben bleiben ihm sowieso auf ewig ein Rätsel, dessen Lösung er zeitlebens sucht.

LebkuchenpaarDer Narziss - eine Lebensaufgabe

Ein optimal funktionierender Co wäre im Grunde für den Narziss die ideale Ergänzung im Hinblick auf die eigene Bedürfnisbefriedigung. Wenn er nur endlich lernen würde, alle Wünsche von seinen Augen abzulesen und keine Widerworte zu geben. Aber genau das ist halt auch das Problem des Co. Ansonsten wäre die Verbindung wirklich perfekt.

Der Co ist für gewöhnlich eine treue Seele und findet im Narzissten seine Lebensaufgabe. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn er gibt sein eigenes Leben auf und übernimmt dafür eine Aufgabe, die ihn sein ganzes restliches Leben ausfüllen wird. Doch die Hingabe des Co wird belohnt: der Narziss verleiht ihm dafür jene Bedeutung, die der Co bis dahin nie besaß. Als Teilchen im Ego-Puzzle des Narzissten.

Das kommt dem Co wiederum sehr entgegen. Daher wäre es schlicht überzogen, den Narziss einfach nur als Parasiten zu bezeichnen. Obwohl er unbenommen ziemlich eigennützig ist. Denn für einen willigen und gefügigen Partner bringt die Beziehung zu einem Narziss durchaus gewisse Vorteile mit sich. Man könnte auch sagen: Da haben sich einfach zwei gesucht und gefunden. Das kann sogar manchmal gut gehen und ist - nun ja - vielleicht auch so eine Art von Liebe?

Treue wird überbewertet

Beziehungen mit einem Narziss sind jedenfalls eine ziemlich relative Angelegenheit. Beständiges Glück entspricht ja nun so gar nicht seinem Naturell. Dazu ist es einfach zu unspektakulär. Außerdem ist der Narziss von Natur aus eine treulose Tomate. Auch wenn er im Taumel der ersten Verliebtheit gerne das Gegenteil beteuert (und vermutlich sogar selbst für einen kleinen Augenblick daran glaubt).

Es geht ihm dabei keinesfalls nur um Sex oder ähnlich banale Dinge. Aber er leidet nun einmal wirklich darunter, wenn sein Lebenselixier versiegt und der beständig plätschernde Quell von Bewunderung, Anerkennung und Idealisierung nicht mehr üppig sprudelt sondern nur noch zaghaft tröpfelt. Und das passiert merkwürdigerweise immer spätestens dann, wenn der Alltag einkehrt und das wirkliche Leben seinen Tribut fordert. Deswegen gehört das wirkliche Leben für den Narziss auch nicht zu den wirklich erstrebenswerten Dingen.

Frosch im SpiegelDer Narziss und die Liebe

Der Co liebt den Narzissten meistens sehr. Zu sehr. Dafür bekommt er im Gegenzug vom Narzissten Liebe. Na ja, sagen wir mal: So etwas ähnliches wie Liebe. Aber nur, wenn ihm der Co fortwährend bestätigt, dass er tatsächlich so ist, wie er gern sein möchte. Die Tatsache, dass er niemals so sein wird, bekümmert ihn dabei wenig. Der Partner allerdings sollte sich tunlichst von all seinen Selbstverwirklichungs-Projekten verabschieden. Er ist nämlich von Stund‘ an auch nicht mehr einfach nur der, der er nun einmal ist. Falls er denn jemals irgendetwas gewesen ist.

Bedingungslose Liebe

Der Narziss ist auf der Suche nach der bedingungslosen Liebe. Will heißen: Der Liebe eines Menschen, der seine Bedürfnisse bedingungslos befriedigt. Deswegen lebt er für gewöhnlich in Symbiosen. Entweder mit

  • sich selbst und seinem Spiegel oder
  • einem Co, in dem er sich fortwährend spiegelt.

Nun könnte man meinen, die erste Variante sei seltener anzutreffen, da der Co naturgemäß schon deswegen nicht perfekt sein kann, weil der Narziss ja selber immer und in allem der Beste ist. Doch dies ist nicht der Fall. Der Narziss ist nämlich durchaus lernfähig, wenn es für sein Image nützlich ist. Insofern kann so ein Co an der Seite des Narzissten ein nützliches Instrument im gesamtgesellschaftlichen Kontext sein.

Auch die Ehe ist doch letztlich nichts anderes als ein Statussymbol. Der Narziss verleiht sich damit den letzten Feinschliff an Normalität und Seriosität. Außerdem hat er schließlich neben seiner einzigartigen Mission in dieser Welt auch noch ein paar Bedürfnisse. Und diese machen eben mitunter persönliche Beziehungen zu anderen Menschen erforderlich. Ein Ehegatte ist nun einmal unter dem Strich und auf lange Sicht gesehen, auch unter den pragmatischen Kriterien der Kosten-Nutzen-Rechnung, die beste aller real existierenden Lösungen.

Stan und OllieUnzertrennlich - der Narziss & sein Co

Der Narziss handelt nach der Devise: Im Krieg, in der Politik und in der Liebe ist alles erlaubt. Was auch darauf zurück zu führen ist, dass ihm so merkwürdige Dinge wie Partnerschaft, Nähe oder gar Vertrauen generell fremd sind. Der Narziss vertraut grundsätzlich niemandem, am wenigsten sich selbst. Dennoch geht auch der Narziss aus verschiedenen naheliegenden Gründen Beziehungen ein, bevorzugt mit Co-Narzissten.

Du willst es doch auch!

Der Narziss und sein Co bilden schon deswegen gerne ein Paar, weil sie sich so gut ergänzen. Was sie so inniglich miteinander verbindet, ist das übersteigertes Bedürfnis nach Anerkennung, ein mangelndes Selbstwertgefühl, ihre verquere Logik, die nicht vorhandene Wahrnehmung und die hohe Kunst der Verdrängung. Ansonsten würden sie es nämlich keine drei Tage miteinander aushalten. Der Narziss und sein Partner sind aber auf jeden Fall auf einer Wellenlänge - der des Narzissten.

Aus Sicht des Narzissten gibt es für alles, was andere tun oder lassen, nur ein relevantes Bewertungs-Kriterium: seine eigenen Bedürfnisse. Irgendwie weiß er ja auch, dass andere Menschen andere Bedürfnisse haben als er. Deswegen ist er ja so, wie er ist. Er findet es nur nicht logisch und schon gar nicht überzeugend, dass diese Bedürfnisse von den seinen abweichen. Warum sollte das, was ihm gut tut, nicht auch anderen gut tun? Deswegen ist er Zeit seines Lebens unerschütterlich darum bemüht, den anderen seine eigenen Bedürfnisse als die ihrigen zu verkaufen. Was ihn nicht zwangsläufig zu einem guten Marketing-Spezialisten macht. 

Spieglein, Spieglein...

Der Narziss braucht das Gegenüber als Spiegel, um seine Idealvorstellungen von sich selbst zu komplettieren. Insofern hat ein menschliches Gegenüber eben auch gewisse Vorteile gegenüber einem Spiegel. Der andere soll ihn so sehen, wie er sein möchte. Wenn der andere ihn nämlich so sieht, dann ist er auch so. Auch wenn ihn der andere nur im Taumel seiner blinden Verliebtheit durch die rosarote Brille so sieht.

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