Satire & Kunterbunt

Oleg PopovOleg Popov - der Sonnenclown wird 90

Oleg Popov (1930 - 2016) lebte viele Jahre mit seiner deutschen Frau Gabriela in Egloffstein. Man nannte ihn den „Sonnenclown“ – wegen seiner wohl bekanntesten Zirkus-Nummer, bei der er einen Sonnenstrahl einfängt und aufgrund seiner charismatischen Ausstrahlung. Am 31. Juli würde Oleg Popov 90 Jahre alt. Für mich war es eine große Ehre und ein ganz besonderes Vergnügen, dass ich 2009 für die Nürnberger Nachrichten ein Interview mit ihm führen durfte. Hier einige Auszüge:

Herr Popov, wollten Sie schon immer Clown werden?

Oleg Popov: Als Kind habe ich die Charlie-Chaplin-Filme gesehen und ich wollte so sein wie er. Ich habe es mir immer gewünscht, aber ich habe nie gedacht, dass ich wirklich Clown werden würde.

Wie wird man Clown?

Oleg Popov: In Russland gibt es professionelle Schulen, an denen man den Beruf des Clowns erlernen kann. Bei mir war es aber etwas anders. Ich ging von 1944 bis 1950 zur Zirkusschule und war zuerst Seiltänzer. Ich hatte eine Nummer zusammen mit einem Partner einstudiert, der bei den Proben leider schwer verunglückte. Danach stand ich alleine da und durch diesen unglücklichen Umstand bin ich Clown geworden.

Ist Clown ein Beruf mit Zukunft?

Oleg Popov: Clowns wird es so lange geben, wie die Sonne scheint!

Sie sind der berühmteste Clown der Welt – gibt es überhaupt Länder, in denen Sie noch nicht aufgetreten sind?

Oleg Popov: In der Antarktis... Nein, im Ernst - in Indien und China bin ich noch nie aufgetreten, aber sonst schon überall.

Gibt es beim Zirkuspublikum nationale Unterschiede?

Oleg Popov: Das Publikum, das in den Zirkus kommt, um sich die Vorstellung anzuschauen, ist in der ganzen Welt gleich, aber jedes Volk hat seinen eigenen Charakter, ein anderes Temperament. Wenn man in Italien auftritt, kann es sein, dass man mit „Hurra“ empfangen wird, in Skandinavien sind die Menschen eher etwas ruhiger. In Deutschland gibt es sehr viele Zirkusse, die Menschen mögen den Zirkus sehr und es ist ein sehr professionelles Publikum, sie wissen sehr viel und sie lieben den Zirkus. In Russland ist das ähnlich.

Wo fühlen Sie sich zu Hause?

Oleg Popov: Mein Haus ist hier, aber mein Leben spielt sich überwiegend im Zirkus ab und wo das Zirkuszelt steht, bin ich zu Hause - das kann jeder Ort auf der Welt sein.

Haben Sie eine Lebensphilosophie für unsere Leser?

Oleg Popov: Ich wünsche den Lesern, dass in ihren Gesichtern öfter ein Lächeln zu sehen ist, als ein ernster Gesichtsausdruck. Man sollte sich am Leben freuen, die Tiere lieben, die Natur behüten und die Luft rein halten – denn die müssen wir atmen.

RaumschiffGibt es intelligentes Leben auf der Erde?

Unter den Wissenschaftler des Planeten Y12 herrscht ein erbitterter Streit: Gibt es intelligentes Leben auf der Erde oder nicht? Nach langem hin und her beschließt man, ein Raumschiff zu entsenden. Es soll die Lebensformen auf der Erde untersuchen.

Die Forscher stellen fest, dass die Erdlinge einen ungeheuerlichen Aufwand bei der Produktion von Lebensmitteln betreiben. Bei der Produktion, aber merkwürdigerweise auch bei der Vernichtung von Lebensmitteln. Sie beobachten, dass die Erdlinge ihr Essen unermüdlich auf dem ganzen Planeten hin und her transportieren. Tagein, tagaus. Mit Schiffen, Flugzeugen, Lastwägen und Mülltransportern.

Die Forscher vom Planeten Y12 sind verwirrt. Warum verschleudern die Erdlinge so viele kostbare Ressourcen wie Wasser und Energie? Warum kippen sie Gift auf ihre Felder? Wozu in aller Welt produzieren sie tonnenweise Treibhausgase? Und das alles nur, um anschließend unglaublich viel Zeit, Energie und Aufwand in die Reparatur ihres Planeten zu investieren?

Lastwägen befördern Lebensmittel von der Produktionsstätte in große Lager. Dort wird es bis zum täglichen Abtransport durch Müllfahrzeuge in Regalen aufgebahrt. Die Erdlinge laufen ziellos durch die Lager und nehmen dann einige wenige Produkte mit. Aber nach welchen Kriterien? Die Forscher stehen vor großen Rätseln.

Abends werden die Lager geschlossen. Das Lebensmittel ist dann kein Lebensmittel mehr, sondern Abfall. Obwohl es nach eingehenden Untersuchungen der Forscher vom Planeten Y112 eindeutig für essbar und qualitativ hochwertig befunden wurde. Es ist selbst dann Abfall, wenn es erst fünf Minuten vor der Schließung frisch hergestellt wurde.

Nach den Berechnungen der Forscher werden auf diese Weise in einer mittelgroßen Ansiedlung von Erdlingen etwa so viele Lebensmittel vernichtet, wie in einer kleinen Ansiedlung konsumiert werden. Tag für Tag. Die Forscher vermuten, es könnte sich dabei um religiöse Opferrituale handeln. Anders können sie sich das Verhalten der Erdlinge nicht erklären. Warum werden Lebensmittel in einer Ansiedlung weggeworfen, obwohl die andere gar keine hat? Warum bringen die Erdlinge die Nahrung nicht einfach in jene Ansiedlungen, in denen Menschen verhungern?

Die Forscher vom Planeten Y112 reisen ab. Sie schließen die Akte „Erde“. In ihrem Abschlussbericht steht:

„Eine Lebensform, die nicht mit Lebensmitteln umgehen kann, kann unmöglich intelligent genug sein, um zu überleben.“

Das war soweit nichts Neues für die Forscher auf Y12. Lebensformen kommen und gehen. Und so brachen sie wieder auf in die unendlichen Weiten des Universums, um neue Welten zu erforschen.

Wechseljahre MännerEinfach unverwechselbar: Männer in den Wechseljahren

Es ist ja weithin bekannt, dass Männer unter Auslassung des Erwachsenseins beinahe direkt von der postpubertären in die präsenile Phase hinüberwechseln. Aber irgendwo dazwischen liegt eben dieses vermaledeite Klimakterium virile. Nein, das ist nichts zu essen und auch keine neue Kampfsportart. Es handelt sich dabei vielmehr um eine ziemlich exotische Klimazone, der Männer in den besten Jahren auf tückische Weise anheimfallen.

Tragisch oder komisch?

Die allermeisten Exemplare wollen zwar auf gar keinen Fall wahr haben, dass es so etwas geben könnte und falls doch, dann haben es nur die anderen, aber es ist nun einmal ein wissenschaftliches Faktum: Auch Männer kommen in die Wechseljahre. Frauen merken das spätestens daran, wenn sich ihr Partner merkwürdige neue Hobbies zulegt wie zum Beispiel Motorrad fahren. Er quetscht sein inzwischen durchaus respektables Bäuchlein in die viel zu eng gewordenen Lederhosen und jagt wie Easy Rider über den Highway. Ein wenig ungelenk und reaktionsschwach geworden stürzt er dabei auch schon mal und schildert von Stund an bei jeder sich bietenden Gelegenheit minutiös den Hergang seines Beinahe-Todes, denn schließlich ist auch seine Chance, einen wirklich tragischen Tod zu sterben, nunmehr befristet.

Senilität ist heilbar!

Hypochondrie ist übrigens kein eindeutiges Indiz, denn würde man nach der Anzahl der Arztbesuche und eingebildeten Krankheiten schließen, wären die meisten Männer ja schon mit 30 in der Andropause. Allerdings nimmt die Neigung, akute Zeichen von Senilität in krankheitsbedingte Symptome umzuinterpretieren, mit den Jahren ganz erheblich zu und das aus gutem Grund: Krankheiten sind heilbar und nicht so irreversibel - Haare kann Mann färben, Fett absaugen lassen. Da glaubt er auch gerne an anatomische Wunder, zum Beispiel daran, dass Alkohol vor Vergreisung bewahrt.

Traum seiner schlaflosen Nächte

Der natürliche Verfall ist in seinem Fall sowieso ein ungewöhnliches Kuriosum – wider die Natur sozusagen. Er ist altersfrei. Warum fallen nur alle auf diese alberne Zahl herein? Deswegen hält er sein eigentliches Alter ab 40 für geheime Verschlusssache – Mann lässt sich lieber schätzen. Schon weil die meisten Mitmenschen aus purer Höflichkeit mindestens fünf Jahre drunter bleiben. Insgeheim hofft er dabei auf krasse Irrtümer, insbesondere wenn er sich von sehr viel jüngeren Frauen schätzen lässt, und ist dann tagelang gekränkt, wenn diese richtig liegen. Leider liegen sie selten so richtig, wie er es sich in seinen immer kühner werdenden Träumen ausmalt, nämlich neben ihm. Schlaflose Nächte hat er trotzdem.

Subtile Verjüngungsmethoden

Witze über Männer in den Wechseljahren konnte er noch nie leiden, aber nun fallen sie ihm auch schon selber ein, vor allem wenn er sich morgens im Spiegel betrachtet. Und er umgibt sich nicht gerne mit Menschen seines Alters, weil die ihn so viel älter aussehen lassen, als er sich fühlt. Die subtilen Verjüngungsmethoden kennt er alle: Er badet neuerdings in flüssigem Amber, trägt Flip-Flops und megacoole Baseball-Kappen und scheut auch ansonsten getreu der Devise „älter werden ist kein Job für Feiglinge" keine Peinlichkeit. Der Humorspiegel seiner Frau sollte jedenfalls nie unter seinem Hormonspiegel liegen. Sehen Sie es doch mal so: Das alles macht ihn einfach unverwechselbar.

PolitikalsBerufPolitik für Anfänger - wie man was wird

Früher erwarb man Berufe sozusagen genetisch. Der Sohn ererbte das elterliche Gewerbe oder, wenn der Vater Henker war, wurde der Sohn eben auch Henker. Deswegen ist es manchmal besser, wenn einem die Eltern nichts vererben. Heute gibt es praktisch nur eine einzige Chance, in dieser Gesellschaft aus dem nichts reich zu werden: Die politische Karriere!

Das Bürgermeister-Gen

Politiker ist auf jeden Fall ein kreativer und abwechslungsreicher Beruf für Menschen, die kein Risiko scheuen. Nehmen Sie zum Beispiel die Europa-Politik: Da brauchen Sie keine Vorkenntnisse. Sie tun einfach experimentell mal was in die Runde, weil die bewährten Sachen ja sowieso nicht mehr funktionieren und auch keiner weiß, wie es klappen könnte.

Sie sind nicht ganz auf den Mund gefallen und gehen gerne in die Wirtschaft?

Dann haben Sie absolut das Zeug zum Politiker ‑ das Bürgermeister-Gen. Da kriegen Sie eine Startbahn direkt ins Wohnzimmer und in der Wirtschaft alles für umsonst. Noch besser geht das in der Bundespolitik. Dort dauert die Legislaturperiode nur vier Jahre und manchmal sogar kürzer. Da haben Sie gar nicht mehr groß Zeit, sich um Politik zu kümmern. Aber das machen ja sowieso die Referenten. Die schreiben Ihnen schöne Reden und Konzepte. Das müssen Sie dann nur noch runter lesen. Ob Sie das inhaltlich verstehen oder nicht, ist doch egal. Ist doch ohnehin nur so ein Ritual – wie die Wahlen zum Beispiel:

Sie überlegen ein paar Wochen, welchen von den Männern auf den hübschen bunten Bildchen, die überall in der Stadt hängen, Sie nehmen wollen. Dann endlich, immer sonntags, ziehen Sie sich schön an und gehen feierlich zur Urne. Dort gibt es zwei Hüter der Urne, die aufpassen, dass Sie auch wirklich der sind, der das Kreuz machen darf, und einen Zeremonienmeister, der Ihnen freundlich erklärt, wo sie ihr Kreuz machen müssen und Ihnen nötigenfalls auch schon mal die Hand führt. Dann gehen Sie nach Hause und schalten den Fernseher ein. Da stehen die von den Bildchen dann alle rum und warten. Wenn Sie die vielen roten Köpfe sehen, wissen Sie, dass Sie als Wähler eine enorme Macht haben.

Das ist ein bisschen so wie im antiken Griechenland. Da standen auch überall Statuen rum und Sie konnten sich aussuchen, welcher Gott für Sie zuständig ist. Wenn der nichts taugte, kam die Statue auf den Sperrmüll und man suchte sich einfach eine neue raus.

Man muss den Göttern Opfer bringen, damit Sie einem geneigt bleiben

Früher gingen die Leute dann einfach dorthin und legten ihm was ins Schälchen. In manchen Kulturkreisen ist das heute noch so, nur bei uns ist das ein wenig verpönt. Doch das sitzt so hartnäckig in den Genen, dass die Leute es dann eben heimlich machen. Und wenn es raus kommt, tun alle ganz entrüstet. 

Qualifiziertes Personal händeringend gesucht!

Wenn Sie dann gewählt wurden, müssen Sie zusehen, dass Sie in der kurzen Zeit in so viele Aufsichtsräte wie möglich rein kommen. Wenn Sie es nach vier Jahren auf fünf erkleckliche Pöstchen gebracht haben, liegen Sie verdammt gut im Rennen. Das ist aber ein ganz schöner Stress, bis Sie mal soweit sind. Da brauchen Sie sonst nichts mehr.

Deswegen hört man von den meisten Politikern auch rein gar nichts. Und ein Politiker, der in fünf Aufsichtsräten sitzt, ist doch prima qualifiziert für die Wirtschaft! Das lassen sich die Unternehmen eine ganze Stange Geld kosten, so qualifiziertes Personal.

Warum versuchen Sie es nicht einfach mal selber?

Was die können, können Sie schon lange! Ein paar Posten werden ja demnächst wieder frei. Und die suchen wirklich händeringend gute Leute...

The EndWeltuntergang - jetzt doch erst 2038?

Sie erinnern sich vielleicht dunkel? 1999 auf 2000? Bei diesem spektakulären Beinahe-Weltuntergang waren viele von uns live dabei: Ein bisschen peinlich ist es im Nachhinein schon. Wie erklärt man das den Kindern, wenn die das später im Internet lesen?

Zwar glaubte keiner so recht daran, dass die Raumstation MIR wirklich auf die Erde stürzen und die Eifel explodieren würde. Allerdings hielt sich hartnäckig die Theorie, dass mit der Umstellung der Computer von der 99 auf die 00 unvorstellbare Katastrophen eintreten würden. Selbst nicht ganz so abergläubische Menschen konnten sich damals dem schaurigen Grusel kaum entziehen.

Wenn ein Weltuntergang in die Geschichte eingeht, war er nicht erfolgreich

Der Weltuntergang am 21.12.2012 sollte alle bisher dagewesenen apokalyptischen Rekorde toppen. Mit Sonnenstürmen, Vulkanausbrüchen, Erdbeben, Polsprüngen und allem, was dazu gehört. Ein spitzenmäßig inszenierter Endzeit-Blockbuster.

Hätte er stattgefunden, hätte es nachher auch niemanden mehr interessiert. Warum? Weil die Welt untergegangen wäre. Sonst wäre es ja kein Weltuntergang gewesen. Es war auch keiner. Also feierten wir einfach wieder Weihnachten. Wie immer. Schade eigentlich. Schließlich hat man nicht alle Jahre die Gelegenheit, einen so sensationellen Weltuntergang zu erleben. Rasputin, der berühmte russische Zarenflüsterer, prognostizierte den nächsten für 2013. Wieder nichts...

Die nächsten Termine stehen schon

Nostradamus und Alois Irlmaier prophezeihten den Ausbruch eines Dritten Weltkrieges. Ungefähr im August 2019. Wieder nichts! Allerdings haben es die Weltuntergangs-Propheten mit dem Datum auch nie so ganz genau genommen. Aber es ist zumindest ein kleiner Trost, dass der Termin für den nächsten Weltuntergang schon steht: 2020.

Die blinde Bulgarin Baba Wanga sagte nämlich für 2020 ein menschenleeres Europa voraus. Oje! Wegen des Weltkrieges. Der hätte schon 2010 ausgebrochen sein sollen. Ist er aber nicht. Gut möglich also, dass wir auch 2020 keinen Weltuntergang erleben werden.

Spannend wird es dann wieder im Jahr 2038. Da endet nämlich die Computerzeitrechnung. Die ist nämlich tatsächlich endlich. Wenn die Zeit abgelaufen ist, springen die Zahlen einfach wieder auf Null. Mit fatalen Folgen: Alles, was auf Computertechnik basiert - das dürfte 2038 so ziemlich alles (oder gar nichts mehr) sein - verabschiedet sich. Das könnte wirklich eine richtige, echte Katastrophe verursachen. Wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen schon heute nicht mehr ohne WLAN funktionieren.

Gänsehaut, Grusel und Gurus

Die bisherigen Prognosen für den Weltuntergang waren nicht gerade zuverlässig. Nur auf eines kann man sich dabei 100prozentig verlassen, nämlich darauf, dass es bis zum realen und finalen, also zum echten, tatsächlichen und wirklichen Weltuntergang noch jede Menge neue Prophezeiungen geben wird. Weil Menschen Gänsehaut und Grusel lieben, das Angstprickeln und die schönen Schauder, die einem solche Geschichten den Rücken herunter jagen. Und sie lieben Gurus, Propheten, und sonstige Superhelden. Weil die so genau wissen, wo es lang geht. Im Gegensatz zu Politikern zum Beispiel.

spiderman 2478977 640Was man von Narzissten lernen kann

Auf den ersten Blick würde wohl jeder vernünftige Normalsterbliche spontan behaupten:

Rein gar nichts.

Jedenfalls nichts, was irgendwie zwischenmenschlich von Erfolg gekrönt ist, schon gar nicht langfristig.

Das ist aber nicht ganz richtig, denn der Narziss lehrt uns beispielsweise das perfekte Styling für jede Bühne dieses Lebens. Nehmen Sie zum Beispiel jenen stadtbekannten ungarischen Geiger vom Staatstheater, inzwischen schon ziemlich in die Jahre gekommen, aber immer noch von ansehnlicher Figur. Er betritt selbst das öffentliche Schwimmbad nur dramaturgisch wohldurchdacht: Seine denkbar knapp sitzende signalrote Badehose beschert ihm garantiert die ungeteilte Aufmerksamkeit aller anderen Badegäste. Den Applaus kann er dank jahrzehntelangem Training auch im Geiste simulieren. Nein, der Narziss stellt sein Licht niemals unter den Scheffel!

Lernen von Narzissten

  1. Viele eher etwas zurückhaltende Menschen neigen dazu, sich in der zweiten oder dritten Reihe zu verstecken. Wenn Sie im Leben vorankommen wollen, werden sie aber nicht umhin kommen, eine der obersten Narzissten-Regeln zu befolgen: Quetschen Sie sich immer in die erste Reihe, auch wenn Sie nötigenfalls jemanden rausschubsen müssen.

  2. Wenn Sie an einem Meeting teilnehmen, heben Sie immer im passenden Augenblick sofort die Hand. Selbst dann, wenn der Redner noch gar nicht zu Ende gesprochen hat. Auf jeden Fall aber, bevor es ein anderer tut. Auch wenn Sie noch gar nicht wissen, was Sie eigentlich sagen sollen. Kurzum: Üben Sie sich im Impressions-Management. Machen Sie unheimlich Wind. Lassen Sie bedeutungsvolle Namen fallen und wenn Ihnen gar nichts mehr einfällt, dann tun Sie einfach sehr geheimnisvoll.

  3. Sollte Ihnen wider Erwarten doch einmal ein Fehler unterlaufen und irgendjemand es wagen, das auch noch anzusprechen, machen Sie sich auf keinen Fall kleiner, als Sie sind! Sprechen Sie von einem "bedauernswerten Missverständnis". Auf diese Weise schieben Sie Ihrem Gegenüber elegant ein kleines Stück Mitschuld in die Schuhe. Wenn er auch nur einen Funken Anstand besitzt, wird er in Zukunft tunlichst seinen Mund halten.

  4. Es gibt Probleme? Machen Sie es wie der Narziss. Ignorieren Sie diese. Irgendjemand wird sich schon darum kümmern. Sitzen Sie es einfach aus. Lassen Sie jegliche Kritik an sich abperlen. Achtsamkeit und Mitgefühl? Weichspültabletten für Waschlappen! So lange Sie nichts merken, kann Ihnen auch keiner was.

Freud SofaIst der Narziss therapierbar?

Gewöhnliche Menschen kann man bis zu einem gewissen Grad vor sich selbst beschützen. Nicht so den Narziss. Das wirkliche Leben bietet zwar mannigfaltige Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln. Der Narziss nutzt keine von ihnen.

Der Narziss möchte nicht geholfen werden. Beratung ist was für Normalsterbliche. Er weiß, wie das Leben geht. Therapie? Er ist doch nicht krank! Also benötigt er auch keine Heilung. Er hat ja schließlich keinen Leidensdruck. Den haben nur die anderen. Der Narziss besteht bestenfalls darauf, dass man seine hypochondrischen Zipperlein lindert und gegebenenfalls anfallende körperliche Defekte wie zum Beispiel das Altern repariert.

Nun kann es aber manchmal doch vorkommen, dass ihm aufgrund seiner unverträglichen Persönlichkeitsstruktur sein soziales Umfeld und sein Broterwerb abhanden kommen. Das bereitet ihm dann ab einem gewissen Alter doch gewisse Sorgen. Um nicht zu sagen: P A N I K !

Wenn das Lebenselixier versiegt...

Altern führt zu einer defizitären Situation in Bezug auf sein Lebenselixier: Der beständig plätschernde Quell narzisstischer Bedürfnisbefriedigung droht zu versiegen. Dann (und nur dann) kann es durchaus passieren, dass sich der Narziss dazu durchringt, in den Reparatur-Modus zu gehen. Allerdings nur bei wirklich ausgewiesenen Koryphäen. Selbst im Angesicht größter Verzweiflung ist das Beste für ihn gerade gut genug.

Jedenfalls so lange, bis die ausgewiesene Koryphäe am Lack des Narzissten kratzt. Denn der wittert potenzielle Angriffe auf seine Person nun einmal drei Meilen gegen den Wind. Selbst dann, wenn das Gegenüber gar nichts dergleichen im Schilde führt. Der Narziss ist sich selbst sein bester Feind und Kritiker. Auch wenn er das nicht merkt, sondern alle seine bösen Gedanken grundsätzlich den anderen in die Schuhe schiebt.

Für die Koryphäe ist das jedoch nicht weiter tragisch, denn der echte Narziss ist ohnehin irreparabel. Die Koryphäe kann sich also mit gutem Gewissen zurück lehnen, aus dem Fenster gucken und Däumchen drehen. Es würde im besten Fall ohnehin nur auf ein paar optische Korrekturen an der Fassade hinaus laufen. Ohne eine ordentliche Portion Narzissmus wäre der Job einer Koryphäe übrigens gar nicht auszuhalten...

All is Vanity So vergeht der Ruhm der Welt (und der Narziss mit ihr)...

Mit zunehmendem Alter lässt jedoch die Strahlkraft des Narzissten entschieden nach, es sei denn er ist reich, mächtig und wichtig. Dann lässt seine Strahlkraft zwar auch nach, aber nicht die seines Amtes, seiner Macht oder seines Geldes. Das liegt vor allem daran, dass seine normal sterblichen Mitmenschen ihm Gegensatz zu ihm an Lebenserfahrung gewinnen und sich vom äußeren Glanz des Narzissten nicht mehr im gleichen Maße blenden lassen.

Außerdem sind selbst Narzissten einem gewissen Alterungsprozess unterworfen, auch wenn sie das für gewöhnlich hartnäckig bestreiten und mit allen nur erdenklichen Mitteln gegen die Zeit arbeiten. Aber leider ist bis heute kein einziger Fall bekannt, in dem Botox und Skalpell zu mehr Seelenheil und Charisma beigetragen hätten.

Das Leben ist nicht lustig!

Der Narziss ist zwar eher sehr selten wirklich zufrieden mit dem Leben, aber das ist für ihn noch lange kein Grund, sich selbst zu hinterfragen. Weil ja für alles, was schief läuft, ohnehin immer die anderen verantwortlich sind. Obwohl der Narziss anderen grundsätzlich unterstellt, dass sie ihn beneiden, weil er so toll ist, ist sein Leben nicht wirklich besser oder gar lustiger als das gewöhnlicher Menschen. Nur eben sehr viel anstrengender. Er muss nämlich nicht nur permanent so tun, als hätte er jede Menge Spaß darin (auf jeden Fall mehr als alle anderen), sondern er muss auch irgendwie dafür sorgen, dass alle anderen glauben, er hätte auf jeden Fall mehr Spaß darin. Und es ist außerdem verdammt mühselig, wenn man sein Ego dauernd päppeln und sich ständig selbst beweisen muss, dass man ein wertvoller Mensch ist.

Der einzige Vorteil seines Lebens besteht eigentlich darin, dass er im Grunde ein sorgenfreies Leben führen könnte, weil er sich schon aufgrund seines ausbeuterischen Naturells meist sehr gut darauf versteht, Geld anzuhäufen. Doch der Narziss hat ganz andere Sorgen. Vor allem wenn er feststellt, dass ihn sein Reichtum, seine Macht und sein Ansehen kein bisschen glücklicher machen. Das alles perlt sozusagen an seiner glanzvollen Hülle ab, kommt aber leider nicht im Inneren an. Dort bleibt er leer wie eh und je und verhungert vor dem schillernden Trugbild, das er selbst erschaffen hat.


Karl Lagerfeld & ChoupetteDie Beziehung eines Narzissten zu seinem Co kann man sich am besten so vorstellen wie die eines Herrchens zu seinem jungen Welpen: der hechelt seinem Besitzer schwanzwedelnd hinterher, während dieser das Würstchen an der Angel gerade so hoch hält, dass es das kleine Hündchen immer ganz knapp verfehlen muss. Erreicht es das Lekkerli dann doch einmal, ist das gewissermaßen das Krönchen seiner bedauernswerten Lebensform.

Der Co kann dies aber dennoch beharrlich in güldenem Lichte sehen, so lange ihn sein Narziss gut versorgt. Sowie ihm der Narziss jedoch einen kleinen Tritt in die Seite verpasst (übrigens eine der Lieblingsbeschäftigungen des Narzissten) bricht die Illusion von Glanz und Gloria jedes Mal wieder in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Deswegen ist der Co-Narziss auch die meiste Zeit damit beschäftigt, an seiner heilen, kleinen Wunderwelt zu feilen und zu basteln.

Der alternde Narziss

Der Narziss wird mit zunehmendem Alter immer peinlicher. Das Schöne für ihn selbst ist dabei: Das merken nur die anderen Teilnehmer am wirklichen Leben. Er nicht.

In jungen Jahren ist der Narziss ein gern gesehener Gast auf Partys. Er ist meist gut aussehend und zeichnet sich durch Charme und Wortgewandtheit aus. Wenn er nicht gutaussehend ist, kompensiert er das durch ostentativ zur Schau gestellte Bildung, Status, Leistung, Reichtum oder extreme Lustigkeit. Er steht jedenfalls gerne im Mittelpunkt und ist immer für eine kleine Showeinlage zu haben.

Der Salsa tanzende Narziss zum Beispiel kommt so nebenbei auf sein Hobby zu sprechen, um sich dann nicht lange bitten zu lassen, wenn es darum geht, den anwesenden Damen das Tanzen bei zu bringen. Der oral fixierte Narziss dagegen tut sich durch geschicktes Ausloten der intellektuellen Neigungen des Gegenübers hervor und webt dann aus zarten Spinnfäden einen verbalen Kokon um sein Opfer herum. Der weniger einfühlsame Narziss, und damit ein sehr häufig anzutreffender Vertreter seiner Spezies, ist ein unermüdlicher Witzeerzähler. Die einzige Chance, solche selbst ernannten Spaßvögel dauerhaft im Freundeskreis zu verkraften, besteht in der Gnade der selektiven Vergesslichkeit: Wenn nämlich der Witzeerzähler sein immer gleiches Repertoire mit bestenfalls geringfügigen Variationen abspult, können Sie jedes Mal wieder drüber lachen.

BeziehungNarziss & Co. Liebe und Hiebe

Die Konstellation Narziss & Co findet man häufig bei alten Ehepaaren. Da kann man ja mit der Zeit kaum noch unterscheiden: Wer ist nun eigentlich der Narziss und wer der Co? Aber wie ist es mit zwei dominante Narzissten? Kann das gutgehen? Das wäre ja ungefähr so, als könnte es in unserem Sonnensystem noch eine andere Sonne neben der einen geben. Oder einen zweiten Gott neben dem Allmächtigen. Es würde zwangsläufig zu einem Schisma führen. Oder zu einem Polsprung. Die Folgen wären auf jeden Fall vollkommen unberechenbar und vor allem katastrophal.

Zwei dominante Narzissten - kann das gutgehen?  

Zwei Hardcore-Narzissten in einer Beziehung - das kann natürlich nicht gut gehen. Außer vielleicht in einer außerehelichen und auch das nur vorübergehend, denn einer muss immer
oben sein. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass eine derartige Verbindung für mindestens einen der Partner tödlich endet. Denkbar wäre diese Konstellation allenfalls dann, wenn sich beide davon einen erheblichen Zugewinn an Prestige und Reichtum versprechen. Außerdem wäre es fraglich, ob die narzisstische Partnerin als Gebärmutter zur Verfügung stehen würde, wie das beispielsweise in Königtümern unabdingbar ist. Vermutlich nur, wenn der Nachwuchs gewinnbringend im Ehevertrag abgehandelt oder ihren Status anderweitig deutlich verbessern würde.

Schmollende Rebellion

Der Co-Narziss könnte ja, wenn er nur wollte. Aber wozu? Außerdem lässt ihn der Narziss ja sowieso nie. Dafür ist der aber dann auch an allem schuld, was schief läuft. Irgendwann werden die anderen das auch verstehen. Und bis dahin begnügt er sich eben damit, dass ihm der Narziss ein paar Funken seines Strahlenglanzes zuteilwerden lässt.

Immerhin ist ja nicht alles ganz schlecht, was der Narziss so treibt. Und weil der Co-Narziss sich immer ein wenig kleiner fühlt, als er eigentlich sein könnte, stellt er oft sein Licht allzu sehr unter den Scheffel. Seine Bescheidenheit macht ihn aber meist für andere meistens recht sympathisch. Er ist ja immerhin kein so großmäuliger Selbstdarsteller wie der Narziss und er fällt auch nicht mit der Tür ins Haus. Er pflegt lieber ein bewusstes Understatement und legt seinen Stolz eher ironisch an den Tag. Außer natürlich, es käme vielleicht irgendwann der richtige Moment dafür. Aber das ist eher theoretisch...

Narziss und Co-NarzissCo-Narziss - Macher oder Masochist?

Vollkommene Verschmelzung

Der Co-Narziss ist der Bewirker im Verborgenen, der Puppenspieler, der die Fäden zieht, der große Manipulator hinter den Kulissen, der den Narziss wie einen Deus-ex-machina glanzvoll auf der Bühne erscheinen lässt.

Das wäre er zumindest gerne. Denn er leidet am Heile-Welt-Syndrom und verklärt daher seinen Narzissten zum Idol. Dieser besitzt alles, was ihm selbst fehlt. Selbst seine allerschlimmsten Fehler (von denen er nach eigener Einschätzung nur allzu viele hat) werden durch den Narzissten zu rühmlichen Vorzügen veredelt. Doch seine kleine Welt wird erst perfekt, wenn er mit seinem Narzissten zu einer vollkommenen Einheit verschmolzen ist. Was im wirklichen Leben allerdings eher selten gelingt.

Die Enttäuschung, die dem Scheitern auf dem Fuße folgt, ist daher ungefähr genauso verheerend wie seine Illusionen bezüglich der ungeheuren Möglichkeiten, die sich aus der Verschmelzung ergeben könnten.

Was aber bewegt nun eigentlich den Co-Narziss? Ist er gar ein Masochist? Warum um alles in der Welt lässt er sich sonst auf einen Narzissten ein? Nun, Sie müssen sich das so vorstellen:

Der Narziss ist die Sonne, um die der Co-Narziss kreist. Alles, was der Co seiner Ikone an Gutem widerfahren lässt, kommt ihm wie durch Zauberhand auch selbst zu Gute. Nehmen Sie zum Beispiel die Anhängsel unserer Ikonen aus der Welt der Promis: Vorher ein Nichts. Währenddessen ein Sternchen. Nachher mit etwas Glück ein Star. Häufig allerdings auch nur ein alterndes Ex-Sternchen.

Nichtexistenz aus Liebe

In der Beziehung mit einem Narzissten begibt sich der Co-Narziss mehr oder weniger schmollend in die untergeordnete Position. Jedenfalls vorläufig. In seltenen Fällen entschließt sich der Co-Narziss zu einem Dasein in Nichtexistenz aus Liebe. Viel häufiger gefällt er sich jedoch in der Rolle des trotzigen Rebellen, der eigentlich immer unterschätzt wird, und tut deswegen gegenüber Dritten auch gerne recht gekränkt und benachteiligt.

Narzisstische BeziehungDer Narziss und das Heile-Welt-Syndrom

Der Narziss muss gefüttert werden. Er braucht seine Ich-Erweiterungen wie die Luft zum Atmen. Im Gegenzug sorgt er dafür, dass es seinem Umfeld gut geht. Schon, damit es ihm selbst gut geht. In diesem Sinne ist er durchaus zu überschwänglicher Fürsorge fähig. Umso mehr, je mehr die Sorge, die er anderen angedeihen lässt, auch seinem eigenen Wohlergehen dient. Selbst nach seinem Tode möchte er noch gut dastehen. Glücklicherweise geht der Trend dabei heute eher weg von Pyramiden und hin zu Hinterlassenschaften, die für die Hinterbliebenen von unmittelbarem, geldwertem Nutzen sind.

Der Narziss und sein Co-Narziss passen schon deswegen so wunderbar zusammen, weil sie sich (beinahe) perfekt ergänzen: der Narziss hungert nach Zuwendung, Anerkennung, Aufmerksamkeit, bedingungsloser Unterordnung und beständiger Bestätigung seines Selbstwerts durch die jeweils gegnerische Partei. Das alles natürlich möglichst harmonisch. Ansonsten fühlt er sich elend, klein und minderwertig. Und wenn der Narziss leidet, ist garantiert der Co daran Schuld.

Auch der Co-Narziss hat es gerne harmonisch. Er hasst Konflikte. Deswegen ordnet er sich erst einmal bedingungslos unter. Er setzt alles daran, dass es seinem Narzissten gut geht. Auch wenn das bedeutet, dass er sich den Bedürfnissen des Narzissten vollkommen ausliefert und auf seine eigenen vollkommen verzichtet.

Schwierig wird es nur, weil es mit der bedingungslosen Unterordnung dann meistens doch nicht so ganz klappt. Weil nämlich der Co-Narziss insgeheim auch nach Zuwendung, Anerkennung, Aufmerksamkeit und beständiger Bestätigung seines Selbstwerts dürstet. Andernfalls fühlt er sich elend, klein und minderwertig. Und wenn der Co-Narziss leidet, ist garantiert der Narziss daran Schuld. Deswegen funktioniert es mit der Harmonie auf Dauer meistens nicht wirklich gut. 

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