Oberpfalz & Franken

Wappen OperpfalzOberpfälzisch für Anfänger

Der Bayer ist ja sprachlich schon recht derb unterwegs. Das sagen ihm zumindest die Hochdeutschen nach. Aber - wenn der Bayer derb ist, was ist eigentlich dann der Oberpfälzer? Der Illuminat Andreas Dominikus Zaupser schrieb anno 1789: "Sie sagen ganz treuherzig im Scherz zueinander, was Götz von Berlichingen im Heldenton den Hauptmanne sagen lässt..." Noch mehr über den schönen Dialekt der Oberpfälzer lesen Sie hier...

Vom Zauber der Rauhnächte – Sagen und Legenden aus der Oberpfalz

Das Leben in der Oberpfalz war nie einfach, aber das Dasein eines oberpfälzischen Burgfräuleins im Mittelalter muss ein wirklich hartes Brot gewesen sein. Recht viel Spaß hatte man auf so einer Burg ohnehin nicht: Der eisig kalte böhmische Wind zog durch alle Ritzen herein und es war, mit Verlaub, stinklangweilig. Ist es da ein Wunder, dass Fräulein Kunigunde sich riesig darüber freute, als dieser umwerfend charmante Albrecht, der Schöne, sie besuchen kam und sie sich mit ihm ein wenig aufwärmte? Lesen Sie mehr...

DerKiachlSchlanke Köstlichkeiten aus der Oberpfalz

Auch die Schlemmermäuler kamen nicht zu kurz. Doch wer zuckrig Süßes mag, der wird sich in der Oberpfalz wohl eher nicht zu Hause fühlen. Zucker war lange Zeit ein teures Vergnügen und ist daher in den originalen Rezepten meist nur in geringen Mengen enthalten. Wir Oberpfälzer sind nämlich so gar keine Süßen und selbst der Hefeteig für das traditionelle Backwerk kommt mit wenig Zucker aus. Mehr lesen...

Schoppala, Dotsch und Schwammerlbröih' - meine oberpfälzischen Lieblingsgerichte

Zugegeben: Die leichte Sommer-Küche ist das nicht gerade. Aber es war halt auch ziemlich kalt. Bald sechs Monate im Jahr. Die traditionellen oberpfälzischen Gaumenfreuden stammen allesamt aus der guten, alten Bauernküche. Das Leben der Bauern war hart. Die Ernährung entsprechend deftig und nahrhaft. Die Gerichte sind das, was man gemeinhin „Armer-Leute-Essen“ nennt. Einfach eben. Aber lecker. Einfach köstlich. Mehr lesen...

GansOberpfälzisch für Anfänger II

Oberpfälzisch für Kahlfresser

Lou mi sa gilt für Eindringlinge jeglicher Art. Insbesondere für Preußen und Altbayern. Aber auch für Franken. Fremde werden in der Oberpfalz nur geduldet, wenn sie Geld einbringen oder lustig sind. Der fränkische Kahlfresser erfüllt zu seinem Glück beide Bedingungen. Regelmäßig fällt er am Wochenende wie ein Heuschreck über die oberpfälzische Gastronomie her. Weil es dort den Schweinebraten, die Knödel und das Bier um noch einen Euro günstiger gibt als in der Fränkischen Schweiz.

OberpfälzerDer Moosbüffel – eine Charakteristik der oberpfälzischen Wesensart

Die Wesensart des Oberpfälzers gehört zu den wenigen Gebieten, an das sich die Ethnologen bis heute noch nicht heran gewagt haben. Aus gutem Grund. Das unerforschte Territorium des oberpfälzischen Naturells ist nämlich ebenso steinig wie die Oberpfälzer Natur selbst. Der Moosbüffel heißt Moosbüffel, weil er aus dem Wald kommt und dort außer Moos nichts los ist. Die Steinpfalz ist dabei der bis heute ursprünglichste Teil der Oberpfalz. Der Name rührt daher, dass die Bauern dort jedes Jahr wieder in mühseliger Kleinarbeit die Steine aus dem Acker holen. Wenn die Steinpfalz an etwas reich sind, dann an Wald und an Steinen. Daher auch die Bezeichnung Steinwald.

Versuch eines baierischen und oberpfälzischen IdiotikonsOberpfälzisch für Anfänger

Der Bayer ist ja sprachlich schon recht derb unterwegs. Das wird ihm zumindest von den Hochdeutschen nachgesagt. Aber - wenn der Bayer derb ist, was ist dann der Oberpfälzer? Der Illuminat und Schriftsteller Andreas Dominikus Zaupser schrieb schon im Jahre 1789 ein ganzes Buch über den Dialekt der Bayern im Allgemeinen und den der Oberpfälzer im Besonderen. Es trägt den wohlklingenden Titel:

"Versuch eines baierischen und oberpfälzischen Idiotikons".

Ein Idiotikon ist im Übrigen nicht etwa ein Lexikon für Idioten, sondern ein Wörterbuch der mundartlichen Ausdrücke. Über die Oberpfälzer schreibt Zaupser:

ZoiglSchoppala und Zoigl – Oberpfälzer Leibspeisen von A - Z

Der Humor der Oberpfälzer ist weder subtil noch filigran. Das kann man an den Schmähgedichten der Altneihauser Feuerwehrkapelle ablesen oder an den gängige Beinamen für Schoppala: Nackade Herrn oder Badte Meis. Nackte Herren und gebadete Mäuse – darunter kann man sich unschwer vorstellen, wie die Schoppala aussehen müssen. Sie gehören bis heute zu den Lieblingsspeisen aller Steinpfälzer nach der Muttermilch.

Schoppala sind eine Art Fingernudeln. Man stellt einen Teig aus gekochten und durchgepressten Kartoffeln her, gibt eine Prise Salz, Ei und Mehl dazu und formt daraus fingerdicke Nudeln. Die werden in heißem Fett heraus gebacken. Serviert werden Schoppala nach Lust und Laune süß oder deftig: Zum Beispiel mit Speck, mit Apfelmus oder mit frischen gezuckerten Beeren.

SteinpilzDotsch und Schwammerlbrühe - Steinpfalz kulinarisch

Der Dotsch ist in Franken als Baggers und im Rest der Welt als Reibekuchen bekannt. Der Dotsch ist sozusagen der kulinarische Inbegriff der kernigen Oberpfälzer Kultur. Selbstverständlich halten die Oberpfälzer auch den Weltrekord im Dotsch-Backen: 17,35 qm hatte der Dotsch mit der Bestmarke aus Neualbenreuth, einem Erdäpfel-Paradies an der tschechischen Grenze. Neualbenreuth hat außerdem die mit 418 Metern längste Knödeltafel der Welt zu bieten.

Das Städtchen Neustadt an der Waldnaab hat dem Dotsch sogar eine eigene Kirchweih gewidmet. Zentnerweise werden dort die Kartoffeln geschält und kross goldgelb heraus gebacken.

Knoedel Klöß Spotzn Lieblingsgerichte aus der Steinpfalz

Leichte mediterrane Sommerküche? Damit haben die meisten Spezialitäten aus der Oberpfalz wenig zu tun. Das liegt wohl unter anderem daran, dass die Sommer in den nördlichen Regionen Bayerns eher kurz ausfallen. Zudem stammen die traditionellen Gaumenfreuden allesamt aus der guten, alten Bauernküche. Und das Leben der Bauern im Grenzland war von jeher hart, die Ernährung entsprechend deftig und nahrhaft.

So wird schon der kleine Oberpfälzer herzhaft aufgepäppelt, damit er diesen unwirtlichen Breiten später gewachsen ist. Kloß mit Soß, Schoppala und die Erdäpflsubbn gehörten im Moosbüffel-Land schon zur Babynahrung.

Wilde JagdVon Grabräubern und Totenflüsterern – Sagen und Legenden aus der Oberpfalz

Wie es denen ergeht, die die Totenruhe stören, davon erzählt die Geschichte vom frommen Priester Weißbach aus Erbendorf. Er konnte sich von seinem Bücherschatz nicht trennen und bat schon zu Lebzeiten darum, seine Folianten mit ihm zu bestatten. Nach dem Tod des frommen Kirchenmanns erfüllte ihm die treue Kirchengemeinde seinen letzten Wunsch: Sie legten ihn mitsamt der wertvollen Bücher in das kalte Grab.

Eines Tages jedoch fanden Friedhofsbesucher den Sargdeckel geöffnet vor. Grabräuber hatten die kostbare Grablege stehlen wollen. Doch als sie sich gerade ans Werk machen wollten, da ging der Sargdeckel auf und der Pfarrer erhob warnend seinen Zeigefinger. Die Diebe erschraken zu Tode und verließen fluchtartig den Friedhof.

Wer sich nachts auf einem Oberpfälzer Friedhof herumtreibt, sollte starke Nerven besitzen. Dort geschieht nämlich allerlei Über- und Unterirdisches.

TotenbretterLiebe bis in den Tod – Sagen und Legenden aus der Oberpfalz

Untröstlich war ein Bauernmädel aus Neuenhammer. Sie hatte sich unsterblich in einen feschen Dorfburschen verliebt, aber das Schicksal wollte es nicht: Der Auserkorene starb. Das Mädchen trauerte und verbrachte viele Stunden am Grab des Geliebten. Eines Tages, als sie länger als sonst schon auf dem Friedhof verweilte, öffnete sich plötzlich der Sargdeckel. Der Tote sprang heraus. Er war stinksauer und packte das Mädel am Nacken, damit sie ihn endlich in Ruhe ließ. Erst als der Pfarrer den Toten neu aussegnete, fand er seine Totenruhe wieder und das Mädel bald darauf einen neuen feschen Dorfburschen.

Die weiße FrauDie weiße Frau - Sagen und Legenden aus der Oberpfalz

Das Leben in der Oberpfalz war nie ganz einfach, doch das Dasein eines oberpfälzischen Burgfräuleins im Mittelalter muss wirklich hartes Brot gewesen sein. Zum Beispiel das von Fräulein Kunigunde, der Witwe des Grafen Otto vom Orlamünde, eine geborene von Leuchtenberg.

Kunigunde von Orlamünde und der schöne Albrecht

Auf einer Burg hatte man damals ohnehin nicht viel Spaß: Der eisige böhmische Wind zog durch alle Ritzen und es war sogar noch langweiliger als heutzutage im Corona Lockdown.

Karpfen sauer LebkuchensosseWeil der Franke sich immer noch kleiner fühlt, als er eigentlich hätte sein können, stellt er sein Licht allzu sehr unter den Scheffel. Seine protestantische Bescheidenheit macht ihn aber arg sympathisch. Ein großmäuliger Selbstdarsteller ist der Franke gewiss nicht. Er fällt auch ganz bestimmt nicht mit der Tür ins Haus. Der Franke pflegt lieber ein trotziges Understatement. Er legt seinen Stolz eher ironisch an den Tag. Außer, es käme vielleicht irgendwann der richtige Moment dafür. Aber das ist eher theoretisch.

Das fränkische Schlaraffenland

fcn Nuernberg ClubDer Franke ist kein Bayer - eine kleine Charakteristik der fränkischen Wesensart

Der Franke ist kein Bayer. Er war nie einer und wird auch keiner. Das wird für jeden Außenstehenden sofort klar, wenn der Glubb gegen die Bayern spielt. Der Franke ist ja im Grunde ein freundlicher und friedlicher Zeitgenosse - a Gouda halt. Aber gegen die Bayern lässt er die Sau raus und foult, was das Zeug hält. Er hat in seiner Geschichte schon viel Schmach hinnehmen müssen, aber dass ihn die Bayern annektiert haben, wird er denen niemals verzeihen! Wenn sich die Franken untereinander über irgendwas einig sind, dann darüber, dass sie partout nix anderes sein wollen als Franken.

Fraenkische FlaggeFränkisch für Anfänger II

Grundkenntnisse Fränkisch

Haben Sie schon mal einem Franken zugehört, der sich redlich bemüht, Hochdeutsch zu sprechen? Das hört sich fast noch lustiger an, als ein Franke, der gepflegt fränkisch spricht. Unser Markus Söder zum Beispiel. Oder Lothar Matthäus. Der Lodda. Weil der Franke nämlich auch im Hochdeutschen keine harten Konsonanten sprechen kann und sie tann aper kanz pesonters petont. Das ist die so genannte fränkische Hyperkorrektion.

Fränkisches L mit Lallhilfe

Fraenkisch fuer AnfaengerFränkische Sprache für Anfänger 

Der Franke ist von Natur aus komprimiert, seine Sprache ist prägnant und kompakt. Er reduziert den gesprochenen Text auf das Wesentliche ein wie die Soß‘ zum Kloß. Der Bayer schwadroniert wortreich herum, nur um zu sagen, dass er dir nicht ganz folgen kann. Der Franke kommentiert die Situation lapidar mit: „Su a Gschmarri!“ (So ein Blödsinn!). Das ist nicht etwa grob beleidigend gemeint, wie der unbedarfte Zugereiste in seiner Unkenntnis der fränkischen Wesensart leicht annehmen könnte. Es ist lediglich eine präzise Feststellung offensichtlicher Tatsachen.

Der ideologische Unterbau der fränkischen Sprache

Holerküchl01Kirchweihkuchen oder Schmierkuchen

Schnell und einfach zubereitet ist auch der Schmierkuchen, der hauptsächlich zur Kirchweih gebacken wird. Er ist zudem reich an Variationen - eine köstlicher als die andere. Dazu wird der gut aufgegangene Hefeteig dünn ausgerollt und wie Pizzateig auf dem Backblech verteilt. Dann wird eine Schmier darauf gestrichen.

Einfache Grieß-Schmier

  • 1 Liter Milch
  • 100 g Butter
  • 150 g Zucker
  • 130 g Grieß

Rohrnudeln, BuchtelnRohrnudeln, Hefeknödel, Buchteln

Zuckrig Süßes traf man in der Oberpfalz nur selten an. Zucker war lange Zeit ein teueres Vergnügen. Er ist daher in den Original-Rezepten meist nur in geringen Mengen enthalten. Wir Oberpfälzer sind keine Süßen. Selbst der Hefeteig für süßes Backwerk kommt mit sehr wenig Zucker aus. Was durchaus Vorteile hat: Die Leckereien werden nicht ganz so mächtig. Man kann ganze Berge davon verschlingen. Fast ohne Reue. Üppig Verwendung findet alles, was man aus eigener Herstellung beisteuern konnte oder was die regionale Landwirtschaft günstig produzierte: Mehl, Milch und Quark, Eier, Butter oder Schmalz.

Christkindlesmarkt Nuernberg

*** Vorbemerkung im November 2020: Leider muss der Christkindlesmarkt in diesem Jahr ausfallen. Wir können diesmal nur in schönen Erinnerungen schwelgen. Als kleine Gedächtnisstütze der nachfolgende Beitrag...***

Der Nürnberger und sein Christkindlesmarkt

Irgendwann gegen Ende November meldet sich der Nürnberger aus der Innenstadt ab. Das ist zufällig ganz kurz vor der Eröffnung des Christkindlesmarktes.

MaenleinlaufenBassd fei scho – philosophische Betrachtungen zur bayerischen Mundart

Dreiviertel zwölf? Bassd scho...

Die Nürnberger zerbrechen sich eher selten den Kopf darüber, warum die Touristen schon um Dreiviertel zwölf vor der Frauenkirche auf das Männleinlaufen warten und nicht erst um Viertel vor zwölf.

Dreiviertel zwölf? Bassd scho. Der des fränkischen nicht mächtige Tourist aus dem Norden dagegen verzweifelt mitunter an solchen einfachen Dingen. Dabei kann es fei sehr philosophisch sein, sich ausführlicher mit der tieferen Bedeutung einiger typischer Begriffe zu befassen:

Wenn der Bayer „fei" sagt, meint er das wirklich

Frankenrechen

Drei rote, nach oben zeigende Zacken auf weißem Grund...

...das ist für viele Franken das Identifikation stiftende Symbol schlechthin. Heraldisch (nach der Wappenkunde) betrachtet liegen die Zacken übrigens auf silbernem Grund, denn die Farbe Weiß existiert in der Fahnenlehre nicht.

Der Rechen greift ein klassisches Muster auf: Die drei aufwärts gerichteten roten Zacken symbolisieren die göttliche Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und den Heiligen Geist. Die silbernen Zacken zeigen gen Boden und stehen demnach für die Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen.

Nürnberg StichNürnberg und Fürth - an der Stadtgrenze

Betrachtet man die beiden Städte aus der Luft...

...zum Beispiel auf Google Earth, so kann man nicht unterscheiden, wo Nürnberg aufhört und Fürth anfängt. Die Stadtgrenze verläuft manchmal zwischen zwei Häuserzeilen wie in der Höfener Straße. Dort soll dereinst in einer kalten und regnerischen Nacht eine Streife der Fürther Stadtpolizei entlang gegangen sein. Die Polizisten sahen einen Selbstmörder am Baum hängen. Sie fackelten nicht lang und hängten ihn eiligst auf die Nürnberger Seite.

Dauerkarte FCNLieber Fünfter als Fürther...

...ist eine Nürnberger Spruchweisheit, die nur versteht, wer der fränkischen Mundart mächtig ist, weil Vierter in Mittelfranken genauso ausgesprochen wird wie Fürther. Die Rivalitäten der fränkischen Nachbarn im Fußball sind nun rund 100 Jahre alt. 1914 wurde Greuther Fürth die Mannschaft mit dem Kleeblatt erster deutsche Meister - der 1. FC Nürnberg schaffte es erst 1920 an die Spitze. Danach wurde Fußballgeschichte eine Zeitlang fast nur noch in Nürnberg und Fürth geschrieben.

Nürnberg und Fürth - die deutsche Fußballhochburgen

Die beiden Städte galten bis weit in die 20er Jahre hinein als deutsche Fußballhochburgen. 1924 bestand die deutsche Nationalmannschaft aus sechs Fürthern und fünf Nürnbergern. Aber von wegen fränkische Solidarität - die Erzrivalen wollten nicht miteinander spielen. Sie wurden schließlich vom DFB gezwungen, gemeinsam zur Partie gegen Holland zu fahren. Doch selbst auf der Zugfahrt zogen sie sich in die jeweils am weitesten auseinander gelegenen Wagons zurück und wechselten kein Wort miteinander.

PflasterNürnberg und Fürth: Krieg um ein paar Pflastersteine

Der Minister des preußischen Königs in Ansbach, Freiherr von Hardenberg wollte um die Jahrhundertwende Nürnberg in das preußisch-fränkische Gebiet eingliedern. Er besetzte die Stadt mit Zustimmung der Nürnberger, die damals sehr viele Schulden hatten und sich von den Preußen Unterstützung versprachen. Damit war aber der König nicht einverstanden, weil ihm das Ärger mit dem Kaiser hätte einbringen können. Hardenberg musste sich also etwas Neues einfallen lassen und weil er Nürnberg nicht kriegen konnte, nahm er eben den Ort, der in Franken ansonsten wirtschaftlich am Wichtigsten war, nämlich Fürth.

SpiegelNürnberg und die Fürther Zünfte

Ein Schelm, wer da leugnet, dass sich hinter den Boshaftigkeiten zwischen den beiden ungleichen Nachbarn nicht nur das berühmte Körnchen Wahrheit, sondern immer auch eine gehörige Portion Neid verbirgt. Denn die Nürnberger genossen recht lange die Privilegien einer Reichsstadt, doch irgendwann standen die strengen Regeln zum Beispiel die Zünfte betreffend auch der Innovationskraft im Wege. Im 18. Jahrhundert ging es mit Nürnberg wirtschaftlich bergab. Viele Handwerker zog es nach Fürth, weil man es dort mit dem Zunft- und Gewerbezwang nicht ganz so genau nahm wie in der Reichsstadt. So ging zum Beispiel auch der erste Spiegelhersteller von Nürnberg nach Fürth, um dort das erhabene deutsche Spieglein herzustellen. Hatte man nämlich bis dahin Spiegel in Form einer Glasskugel produziert, so konnte man nun dank einer neuen Technik flaches Glas herstellen. Und das hatte einen sehr viel besseren Spiegeleffekt.

Henkershaus NuernbergNürnberger Pranger: Drakonische Strafen im Mittelalter

Zimperlich war man im Mittelalter nicht. Zu den nettesten Strafen gehörte damals noch das Kitzeln: Der Delinquent wurde auf ein Brett gelegt, festgebunden und dann vom Scharfrichter mit einer Feder an den Fußsohlen gekitzelt. Nicht ganz so lustig war dagegen der Pranger. Aber auch da war Nürnberg wieder einmal besonders progressiv, denn es gab neben dem Hauptpranger und dem Bauernpranger sogar einen eigenen Frauenpranger. Frauen genossen außerdem das Privileg, dass sie ihr Gesicht verhüllen durften. Immerhin...

Lorenzkirche Schoner Brunnen mNürnberg und der schöne Brunnen: Drehen am Ringlein bringt Kindersegen

Die Pest hatte grausam in Nürnberg gewütet. Viele Menschen waren dem Schwarzen Tod zum Opfer gefallen und es gab fast keine Kinder mehr. Die Stadt drohte auszusterben und die Ratsherren waren voll der Sorge darüber, wer in Zukunft ihr Säckel füllen sollte. Da meldete sich ein Schreiber und wies darauf hin, dass fast alle Gewässer der Stadt verunreinigt seien. Er schlug vor, einen Brunnen zu bauen, der nur das reinste Wasser führt. Dann würde auch Meister Adebar bald wieder kommen und viele gesunde Kinderlein bringen.

schoener brunnenDer Schöne Brunnen auf dem Nürnberger Hauptmarkt

Auf dem Haupmarkt in der Sebalder Altstadt steht eines der Wahrzeichen Nürnbergs: Der Schöne Brunnen. Die Planungen gehen schon auf die Zeiten Kaiser Karls IV. um 1370 zurück. Die Brunnenpyramide sollte Bestandteil des neuen Marktplatzes werden, der an der Stelle des ehemaligen Judenviertels errichtet wurde. Mit seinen reichen Verzierungen ist die ca. 19 Meter hohe gotische Brunnen-Skulptur eine der Haupt-Attraktionen der Nürnberger Innenstadt. Im den pyramidenartig übereinander liegenden Stockwerken des Brunnens sind die sieben Kurfürsten und jeweils drei christliche, jüdische und heidnische Helden dargestellt.

sachs ehekarussell gedichtHans Sachs: Das bittersüße ehlich' Leben (Volltext)

Dieses Gedicht über das bittersüße Auf und Ab des Ehelebens widmete Meistersinger Hans Sachs (1494-1576) seiner lieben (?) Gattin. Aus eigener freud- und leidvoller Erfahrung wie es scheint. Denn die Inschrift auf dem Nürnberger Brunnen „Ehekarussell“ beschreibt ebenso drastisch wie die dazu gehörigen Skulpturen die Szenen einer Ehe von anfänglicher süßer Leidenschaft über einen bitteren Rosenkrieg bis hin zum Tod:

Das bittersüße ehlich' Leben

Gott sei gelobet und geehrt

ehekarussellDas Ehekarussell - ein Brunnen gestaltet nach einem Gedicht von Hans Sachs

Seit 1984 steht das Ehekarussell an seinem Platz vor dem Weißen Turm am Ludwigsplatz. Gestaltet und erbaut wurde es vom Bildhauer Jürgen Weber aus Marmor und Bronze. Vom ersten Tag an provozierte der Brunnen heftige Diskussionen: Die schamlose Nacktheit strapazierte das Nervenkostüm empörter Sittenwächter. Zudem waren die Nürnberger erbost über das ausufernde Budget für das Ehekarussell. Heute gilt es als eines der bedeutendsten neuzeitlichen Kunstwerke der Stadt und ist außerdem der größte europäische Figurenbrunnen des 20. Jahrhunderts.

gaensmaennleinDer Nürnberger Gänsemännleinbrunnen

Der Gänsemännchenbrunnen befindet sich seit 1945 in der Sebalder Altstadt, im Hof des alten Rathauses. Die berühmte Brunnenfigur wurde etwa 1540 aus Bronze gegossen. Sie steht in einer Schale aus Granit, umgeben von einem schmiedeeisernen Renaissance-Gitter. Gekleidet ist das Gänsemännlein ist im Stile des 16. Jahrhunderts - so wie die Bauern, die damals ihre Waren auf dem Marktplatz feilboten. Unter jedem Arm trägt es eine fette Gans. Aus deren Schnäbeln fließt klares Wasser.

Der Legende nach soll es sich dabei um einen Bauern aus dem Knoblauchsland gehandelt haben, der das Bier mehr mochte als das Wasser. Eines Tages ging ihm jedoch das Geld aus und die Gänse waren alles, was er noch besaß.

KnoedeltopfEine kleine Knödelkunde aus Franken und der Oberpfalz

Völlerei gehört heutzutage insbesondere an den Festtagen selbst im katholischen Bayern zu den eher lässlichen Sünden. Das Servieren eines Pfanni-Knödels fällt dagegen unter unverzeihliche Todsünden.

Eine Gastwirtschaft, welche Knödel-Pantscherei oder versuchtem Betrug mit Fertigprodukten begeht und dabei ertappt wird, schmort auf ewig im kulinarischen Höllenfeuer. Sie ist dem Untergang geweiht.

KnoedelRohe Klöß' - das Original-Rezept

Baumwollene, Seidene und Halbseidene…

Viele denken fälschlicherweise, die Bezeichnung hätte irgendwas mit dem Anteil der rohen und gekochten Kartoffeln zu tun. Das ist nicht der Fall. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Knödelvariationen ist schnell erklärt: Der Baumwollene ist ein Kloß ganz ohne Kartoffelstärke und wird mancherorts auch „grüner Kloß“ genannt, weil die geriebene Kartoffel durch Oxidation eine grünliche Farbe annimmt.

ErdkugelNürnberg: Erdkugel, Eisenbahn und elektrische Straßenbeleuchtung

Den Globus haben die Nürnberger 1492 erfunden. Zufällig genau in dem Jahr als Christoph Kolumbus Amerika entdeckte. Er dachte, er wäre in Indien gelandet. Mit der Erdkugel von Martin Behaim wäre er allerdings auch nicht viel besser dran gewesen. Amerika war nämlich damals auf den Landkarten noch gar nicht verzeichnet.

Eppelein

Eppelein von Gailingen - die Nürnberger hängen keinen...

Eppelein oder auch Appolonius von Gailingen fristete wie so viele Ritter und deren Spießgesellen ein karges Dasein, denn mit dem Ende der Kreuzzüge war der Glanz des Ritterstands dahin geschwunden.

Das Geschlecht der Geylinge lebte mehr schlecht als recht von den dürftigen Abgaben der Bauern und neidete den reichen Nürnberger Patriziern, deren Handel und Gewerbe aufs Einträglichste florierte, den zunehmenden Wohlstand. Seine Burg Dramaus soll hoch über dem Wiesenttal bei Muggendorf gelegen haben, doch selbst dies ist wie so vieles, was den fränkischen Eulenspiegel angeht, ungesichert.

Nuernberg Fuerth EisenbahnNürnberg und Fürth - die Wurzeln der Zwistigkeiten

Bis heute dauern die Animositäten zwischen den den fränkischen Nachbarsstädten an. Wer sie verstehen möchte, muss einen Blick in die Geschichte werfen: Das kleine Fürth sollte dem großen Nürnberg einverleibt werden. Betrieben wurde die Eingemeindung ausgerechnet vom damaligen Fürther Bürgermeister Theodor Kutzer, einem echten Bürokraten. Er sah den buchhalterischen Vorteil, nicht aber die Empfindlichkeiten der Volksseele