WuerfelZiele und Wille, Machbarkeit und Zufall

Die Evolution hat noch eine erstaunliche Fähigkeit hervorgebracht: Wir können uns nicht nur über unsere Ziele bewusst werden, sondern auch über die dahinter liegende Motivation.

Lange waren Menschen nur Figuren auf dem Spielbrett der Evolution. Inzwischen trachten wir auch danach, auf sie einzuwirken. Wir beeinflussen das Wetter und experimentieren mit dem Leben. Diese Ziele sind mehr als ehrgeizig. Sie sind vermessen. Unser Wille hat sich schon lange nicht mehr so sehr auf das Sein und den Sinn des Lebens im Hier und Jetzt gerichtet, als auf das Tun. Auf Machbarkeit und Machtausübung. Wir schauen auf die Zukunft, doch unsere Mitgift stammt aus der Vergangenheit. Wir sind fixiert auf das Morgen und vergessen dabei das Heute. Wir streben einen besseren Zustand an und sehen nicht, dass jetzt gerade im diesem Augenblick der bestmögliche Zustand erreicht ist. Dass unsere Ziele auf unserem Wissen von Gestern basieren. Nicht auf dem von heute. Die Zukunft lässt sich nicht berechnen und schon gar nicht zwingen.

Das Prinzip Zufall

Wir wollen die Welt mit dem Verstand vermessen. Deswegen unterschätzen wir regelmäßig das Prinzip Zufall. Wir vereinfachen die Welt nach unseren Möglichkeiten. Auch das ist eine erfolgreiche Überlebensstrategie. Doch wir sind es gewohnt, in einer linearen Logik zu denken: Wir verlängern Trends linear von A nach B in die Zukunft. Wir beziehen weder Zufälle, noch Veränderungen der Voraussetzungen, dadurch entstehende neue Notwendigkeiten und darauf beruhende Lernprozesse mit ein.

Nehmen wir zum Beispiel das Reaktorunglück in Fukushima. Er bewirkte einen unvorhersehbaren Wandel, der dem linearen Muster nicht entsprach. Niemand hätte sich bis dahin vorstellen können, dass der Atomausstieg in Deutschland so schnell Realität werden könnte. Diese Entwicklung war von Zufall und Notwendigkeiten geleitet. Nicht von menschlichen Zielvorstellungen.